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Olivenöl-seife aus Nablus: Einblick in eine Fabrik

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Die sabun al-muftaheen (صابون المفتاحين), Seifenmanufaktur wurde 1872 gegründet und existiert bis heute.

Muftaheen bedeutet soviel wie zwei Schlüssel und ist gleichsam das Logo der Fabrik. Sie wurde von der Tuqan Familie ins Leben gerufen und ist bis heute in deren Besitz.

Seifenherstellung hat eine lange Tradition im Nahen Osten, was vor allem auf das reiche Vorkommen an Olivenbäumen zurückzuführen ist. Die bekanntesten Zentren der Herstellung sind Aleppo in Syrien, Tripoli im Libanon und Nablus in Palästina.

Seife aus Nablus hatte dank seiner natürlichen und qualitativen Zutatenschon schon früh einen guten Ruf und wurde bereits im zehnten Jahrhundert exportiert. Bis zum 19. Jahrhundert florierte die Seifen- sowie Olivenölindustrie. Im 20. Jahrhundert tauchten jedoch viele Probleme auf. Die Produzenten hatten versäumt, den Namen 'Nablusi' zu schützen, was Fälschungen vor allem in Ägypten zur Folge hatte. Weiter machten ausländische Produkte wie Lux oder Palmolive den Herstellern zu schaffen.

Auch die israelische Besatzung hat ihren Teil zum fast vollständigen Untergang der Seifenindustrie getan. Das Abholzen von Olivenbäumen und der darauf folgende Mangel an Öl zwang Betriebe Olivenöl aus dem Ausland zu importieren.

Ab der ersten Intifada wurde es zudem gefährlich für die Manufakturen, die sich vornehmlich in der Altstadt befanden, da diese ein Hauptziel der israelischen Armee wurde. So ging die Zahl von über 60 vor der Intifada auf nur vier Fabriken zum jetzigen Zeitpunkt zurück.

Ich stattete der Muftaheen-Produktionsstätte im Zentrum Nablus' einen Besuch ab. Der Direktor, Nael Qubbaj und ein Angestellter, Ahmad Dinecat, empfingen mich trotz unangekündigtem Auftauchen herzlich und führten mich herum. Neben dem Direktor arbeiten zwanzig Personen im Betrieb.

Das 140-jährige Unternehmen produziert gegenwärtig ca. 500 Tonnen Seife pro Jahr. ⅓ davon wird auf dem lokalen Markt, vor allem in Nablus, Jenin, Tulkarem und Qalqiliya verkauft während ⅔ nach Jordanien exportiert werden, von wo aus die Seife auch in weitere Länder (sogar nach Deutschland, Italien und die Schweiz) geliefert wird.

Die Tuqan Familie, die die Fabrik besitzt, ist bekannt in Palästina und der arabischen Welt. So war Ahmad Tuqan kurz Premier Minister Jordaniens, sein Bruder Ibrahim Tuqan ist, wie auch seine Schwester Fadwa Tuqan, ein angesehener Poet.

Auch die sabun al-muftaheen hat mit der zunehmenden Olivenöl-Knappheit zu kämpfen. Das palästinensische Öl reicht mittlerweile kaum für den Konsum aus und die Situation spitzt sich immer weiter zu. So muss die Fabrik das Öl seit einigen Jahren aus Italien importieren.

Herr Qubbaj betont die Qualität seines Produktes, das ganz aus natürlichen Zutaten besteht und in einem traditionellen Verfahren hergestellt wird. Da die Seife hochwertiges Olivenöl sowie keinerlei Duft- oder Farbstoffe enthält erfüllt sie auch medizinische Ansprüche und ist geeignet für empfindliche Haut.

Die Inhaltsstoffe werden zuerst während ungefähr sechs Tagen gekocht und gerührt, danach wird die flüssige Masse auf den Boden im ersten Stock des Gebäudes gegossen und einen Tag lang getrocknet. Anschliessend wird die nun feste Masse von Hand in quadratische Stücke geschnitten und mit einem Stempel versehen. Die Seifen werden zu Türmen geschichtet, so etwa zwei Monate lang getrocknet und später in ein Papier, das das Logo trägt, eingerollt.

A.F.