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Mi22022012

Eine palästinensische Rap Gruppe aus Gaza auf Tournee in der Schweiz: Ein exklusives Interview

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Die bekannteste Rap Gruppe aus Gaza ist auf Tournee in der Schweiz und in Deutschland. Das DARG Team, Da Arab Revolutionary Guys, will mit seiner Musik dem Alltag auf den Grund gehen. Sie rappen über Armut, Arbeitslosigkeit und Politik. Indem sie Rappen, wollen sie gewaltfreien Widerstand leisten, zu einer Lösung beitragen und ihre Botschaft in die Welt hinaus tragen.

Der PNN French Redakteur A. Thiry interviewte die Band.

PNN: Ramallah Underground ist bekannt als der Pionier des Palästinensischen Rap. Wo habt ihr Inspiration gefunden für eure Songs?

DARG: Kein Zweifel, Ramallah Underground ist eine der besten Bands, aber wir sehen uns selbst nicht als Wegbereiter des Palästinensischen HipHop. Doch wir sind mit Leib und Seele dabei, denn mit unserer Musik wollen wir unser alltägliches Leben in Gaza und im Ausland beschreiben. Wir waren und sind noch immer inspiriert vom Geist der Strasse, von dem was uns umgibt, von den Menschen die vor uns waren: Musiker, Autoren, Sänger. Menschen, die mit uns sind und uns die Stärke geben weiterzumachen indem wie ihre Geschichten vom Leben im Gazastreifen erzählen, von den Problemen, denen sie gegenüberstehen, beginnend mit der Besatzung und endend mit den Restriktionen und Unterdrückungen innerhalb der Gesellschaft.

PNN: Wie habt ihr es geschafft euren Stil in Gaza, einem Ort, den man sich in Europa konservativ und traditionell vorstellt, populär zu machen? Habt ihr einen neuen musikalischen Trend initiiert?

DARG: Nichts ist so einfach in Gaza, und es stimmt, dass Gaza 'konservativ und traditionell' ist, aber gleichzeitig ist es sehr kreativ und man findet viele Talente. In Gaza zu leben, mit all diesen Einschränkungen und Restriktionen ist nicht einfach für HipHop Talente, besonders wenn die Gesellschaft denkt, dass diese Art von Kultur aus dem Westen kommt und nichts zu tun hat mir unserer Kultur und unserem Kampf gegen die Besatzung. Deshalb haben wir uns entschieden unsere Traditionen in unsere Musik einzubauen, einerseits indem wir traditionelle und orientalische Instrumente nutzen und mit westlichen Stilen mischen, andererseits indem wir auf Arabisch rappen. Mit der arabischen Sprache wollen wir unsere Kultur repräsentieren, woher wir kommen und sicherstellen, dass unsere Leute hinter uns stehen. Wir sind die Nachfolger von denen, die diesen Trend initiiert haben und einen Abdruck hinterlassen haben, den niemand in Gaza leugnen kann.

PNN: Meint ihr, andere werden euch folgen, falls dies nicht längst der Fall ist?

DARG: Ich würde nicht sagen, dass sie uns folgen, vielmehr inspirieren wir und andere sie. Endlich haben sie herausgefunden, dass man diese Art von Musik nutzen kann um sich auszudrücken und gewaltlosen Widerstand zu leisten, wovon wir glauben, dass es der neue Weg des Widerstandes ist, dem auch wir folgen. Wir sind stolz geholfen zu haben den Grundstein für diese Entwicklung in Gaza zu legen. 

PNN: Ihr plant Konzerte in Schweizer Städten im Dezember. Werdet ihr danach noch länger in Europa bleiben?

DARG: Dies ist nicht unsere erste Tour in Europa und wird bestimmt auch nicht unsere Letzte sein.

PNN: Wie ist es mit einer Palästinensischen ID in Europa zu reisen? Gibt es eine Frist, innerhalb der ihr zurück in Gaza sein müsst?

DARG: Es ist immer eine grosse Freude mit der palästinensischen ID zu reisen, aber ja, es gibt eine Frist innerhalb der wir zurück sein müssen.

PNN: Habt ihr einen Einfluss auf die Palästinensische Jugend oder sind eure Hörer vor allem Europäisch?

DARG: Junge Männer und Frauen auf den Strassen Gazas singen unsere Songs, zeigen uns Respekt oder fragen wann wir ein neues Album herausgeben. Bestimmt hatten wir Einfluss auf die Jugend der Strassen, denn von dort kommt unsere Inspiration. Wir haben überall Zuhörer unserer Musik, an Orten wo wir waren oder auch nicht, dank des Internets, das uns hilft unsere Stimme zu verbreiten. Wir tragen auch zu Mixtapes in verschiedenen Ländern bei: Deutschland, Frankreich, Haiti, Amerika, Italien etc.

PNN: Ihr scheint ein politisch engagiertes Team zu sein und eure Songtexte scheinen euren Wunsch nach einem vereinten Palästina auszudrücken. Was denkt ihr über eine mögliche Versöhnung von Fatah und Hamas?

DARG: Politik gehört für uns zum Alltag, darum handelt unsere Musik von Politik. Wir befassen uns mit einer Vereinigung der Palästinenser und sehen ihr freudig entgegen, denn wir haben viele Gemeinsamkeiten, allen voran die Befreiung Palästinas. [...]

Die Konzerte in Zürich, Basel, Bern und St. Gallen sind bereits vorüber, aber die Band tritt am 10. Dezember in Lausanne und am 12. Dezember in Genf auf. Am 26.12. ist ein weiteres Konzert in der Kantine in Konstanz.

http://www.youtube.com/watch?v=vrMHPklyfvg&feature=related&fb_source=message

http://www.youtube.com/watch?v=b2467K2MaBo&feature=related

A. F.