Freedom Theatre aus Jenin zu Gast in Bonn
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- Veröffentlicht am Montag, 03. Oktober 2011 08:32
Das Freedom Theatre aus dem Flüchtlingslager Jenin, das zurzeit auf Deutschlandtour ist, hat heute in Bonn mit seiner Inszenierung „Sho kman? – Was noch?" großen Eindruck hinterlassen.
Palästinensische Flüchtlinge treten mit dem Freedom Theatre in Bonn auf. [Foto: Anna-Lena Roth/PNN]
Laut und provokativ zeigten die acht Studenten der Schauspielklasse des palästinensischen Theaters in ihrem Stück die Umstände und Probleme auf, mit denen sie in ihrer Heimat tagtäglich zu kämpfen haben. Unterdrückung und Gewalt sowohl durch die israelische Besatzung als auch durch die palästinensische Führung und die Zwänge der konservativen Gesellschaft sind ebenso Teil der Aufführung wie spontane Freude und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Mit nur wenigen Worten aber dafür umso ausdrucksstärkerer Körpersprache ist es den jungen Schauspielern gelungen, eine moderne, professionelle und äußerst beeindruckende Bühnenshow zu zeigen, die sie selbst mitentwickelt haben.
In der anschließenden Diskussion zwischen Publikum und Schauspielern betonte der Leiter der Schauspielschule, Nabil Al-Raee, wie wichtig der Aspekt der Hoffnung für die Schauspieler ist. Die überwiegend gewaltvollen Szenen zeigten die Realität, in der die Jugendlichen aufgewachsen seien, gleichzeitig sei dies aber auch eine Möglichkeit, die eigene Situation zu reflektieren und selbst etwas daran zu ändern. „Ich war früher Freiheitskämpfer, mit Kalashnikov und M16. Ich bin jede Nacht wach geblieben und habe in den Straßen geschlafen. Das Freedom Theatre hat mich da rausgeholt und mir einen anderen Lebensweg eröffnet", erzählt einer der Schauspieler. „Wir kämpfen immer noch für unsere Freiheit, aber heute ist die Bühne unsere Waffe", ergänzt sein Kommilitone.
Juliano Mer-Khamis, Direktor und Gründer des Freedom Theatre war im März 2011 vor dem Theater von bis heute unbekannten Tätern erschossen worden. Er hatte im Jahr 2005 das ursprünglich von seiner jüdischen Mutter Arna Mer-Khamis gegründete Stone Theatre nach dessen Zerstörung durch die israelische Invasion des Flüchtlingslagers 2002 wieder eröffnet, um den Kindern und Jugendlichen in Jenin eine Perspektive zu geben. Nach seinem Tod folgte eine Reihe von Verhaftungen von Mitarbeitern des Theaters durch israelische Sicherheitskräfte. Obwohl daraufhin aus Sicherheitsgründen einige der Schauspieler die Deutschlandtour absagten, lässt sich das Ensemble unter Nabil Al-Raee und Zoe Lafferty nicht davon abhalten, seine Botschaft weiter zu verbreiten.
Das Freedom Theatre tritt in den nächsten Wochen noch in Schwalbach a. Ts., Gütersloh, Kiel, Schwerte, Düsseldorf, Freiburg, Karlsruhe, Marburg sowie in Wien und Zürich auf. Weitere Informationen und Tourdaten finden Sie unter http://www.thefreedomtheatre.org/ , http://www.kinderkulturkarawane.de/gruppen_2011/FreedomTheatre/index.htm und http://www.ipk-bonn.de/veranstaltungen/FreedomTheatreInBonn.2011.html .
Anna-Lena Roth – PNN

