Haaretz – Geheimes Dokument legt Vertreibung von Palästinensern nach Sechstagekrieg offen

PNN/ Bethlehem/

Die israelische Zeitung Haaretz hat am Mittwoch über ein geheimes Dokument berichtet, dass offenlegt wie die Einwohner Gazas kurz nach dem Sechstagekrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Das bis dato geheime Dokument vom 15. Juni 1967, legt offen, dass israelische Truppen als Vergeltungsakt für eine versuchte Attacke auf israelische Truppen eine große Zahl Einwohner als kollektive Bestrafung aus Gaza vertrieben haben.

Nach Angaben von Haaretz sollen sich Offizielle des Außenministeriums, vornehmlich Avner Arazi, Verfasser des Dokumentes und damaliger Korrespondent der Asienabteilung des Außenministeriums, mit dem militärischen Befehlshaber in Gaza zu einem Briefing getroffen und besprochen haben, dass als Antwort auf eine Landmine, die den israelischen Truppen galt, unzählige Palästinenser von Gaza in den Sinai vetrieben werden sollen.

„Am 12. oder 13. ist eine Landmine in der Umgebung Gazas explodiert. […] Eine Untersuchung zeigt, dass die Landmine kurz vor dessen Explosion platziert wurde. Die Spuren haben zu einer Reihe von Häusern im al-Tarabshe Flüchtlingscamp geführt.“, so das Dokument.

Auf die Forderung der Israelis, der Täter solle sich stellen, haben sich 110 Palästinenser gemeldet, die sich als Soldaten der Palästinensischen Befreiungsarmee (PLA) ausgaben, und kollektiv ihre Mitschuld an der Tat deklarierten.

Arazi beschreibt die Auswirkung wie folgt: „Sie haben unserer Bitte, dass sich derjenige stellen solle, der die Tat beging, keine Beachtung geschenkt. Sie haben ihnen drei Stunden gegeben die Übelttäter zu offenbaren, sonst würden sie kollektiv eine Strafe erfahren – es wurde beschlossen, dass jeder, der nicht bis zum Ende des Ultimatums antworten würde, in den Sinai verschleppt und dort allein gelassen würde! Es hat sich herausgestellt, dass die Bestrafung schon währenddessen ausgeführt wurde. Gleichzeitig hat die Armee acht der Häuser, zu denen die Spuren führten, gesprengt.“

Weitere Teile des Dokumentes beschreiben Vorfälle, in welchen die Armee versuchte die dortige palästinensische Bevölkerung unter Druck zu setzten, um Waffen und Soldaten auszuhändigen.

„Die Regierung forderte von den Einwohnern des Flüchtlingscamps, alle sich in [deren] Besitz befindliche Waffen zu überreichen. Sie [sollen] auf diese Forderung nicht reagiert haben, weshalb die Regierung den lokalen Vetreter der UNRWA gefragt hat ein Lagerhaus zu markieren, in welches die Waffenbesitzer ohne Ermittlung und anonym in der Nacht ihre Waffen ablegen können. Diese Methode war effektiver. Unter der Annahme, dass sich einige ägyptische Soldaten in den Häusern des Flüchtlingscamps verstecken, wurden die Einwohner des Camps gebeten diese auszuliefern. Diese Forderung blieb tatenlos.“

In einem Gespräch mit Haaretz tat Dr. Guy Laron, Hauptdozent für internationale Beziehungen der Hebrew University, seine Unkenntis über ein solches, geheimes Dokument kund.

„Ich habe keine Kenntisse über einen solchen Vorfall, allerdings gab es Maßnahmen der Vertreibung und Massaker am Ende des Krieges. Sie nehmen keinen offiziellen Teil der Geshichte ein, aber es gab sie. […] Es gibt die Geschichte der Beduinen von Rafah, die sich etwas später, im Januar 1972, ereignete. Eine geschätze Zahl von 6.000-20.000 Beduinen wurde vertrieben.“ Er fügt hinzu, dass „es Zeugenberichte gibt, die über Massenvertreibung im Westjordanland unmittelbar nach Kriegsende berichten“. „Wahrscheinlich gab es organisierte Pläne, die nicht dokumenitiert wurden. Allerdings existieren Berichte über Soldaten, die Einwohner ermutigt haben ihre Häuser zu verlassen, sie dann in Lastkraftwagen abtransportiert und ausgewiesen haben sollen.“

Laut Laron soll Uri Avnery in seinen Memoiren schildern, dass er Soldaten einer Einheit getroffen hat, deren Aufgabe es nach eigenen Angaben gewesen soll, Einwohner des Westjordanlandes auszuweisen. Außerdem soll der vor dem Krieg kommandierende General gesagt haben, dass wenn „sie [die Regierung] uns lassen, wir alle Araber innerhalb von 48 Stunden aus dem Westjordanland vertreiben könnten“.

Das Außenministerium soll nach Angaben des Direktors, Lior Yavne, des Instituts für Recherche über den Israel-Palästina Konflikt (Akevot), unmittelbar nachdem das Institut das Dokument publik machte, eine Absichtserklärung veröffentlicht haben.

„Es war nicht deren Mission. Sie waren dabei ein Abkommen mit der UNRWA zu unterzeichnen. Es scheint als wurden sie durch das, was sie sahen aus der Fassung gebracht.“ (Absichtserklärung des Außenministeriums)

Erstellt in Anlehnung an den von Yotam Berger auf Haaretz veröffentlichten Artikel vom 15. März 2017  – Secret Document Reveals Israel Expelled Gazans Right After Six-Day War. 

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